Dienstag, 4. April 2017

Jutta

Hallo Ihr Lieben,

ich weiß, ich bin eine treulose Tomate. Ist schon eine Weile her, dass ich geschrieben habe. Ich möchte es euch kurz erklären: 
Einige von euch wissen ja schon, dass ich mich bei der Dialyse mit einer ganz netten alten Dame angefreundet habe. Ihr Mann war im vergangenen Jahr gestorben und sie war mit dem Schreibkram ziemlich überfordert. Und da ich mich im Beamtendeutsch ja immernoch ganz gut zurecht finde, hab ich ihr bei den Formalitäten geholfen. Daraus ist eine richtig gute Freundschaft entstanden. Mein Mann und ich haben bald davon gesprochen, dass wir uns eine "Oma" adoptiert haben. Ihr Sohn wohnt weiter weg und sie war froh auch Anschluss gefunden zu haben und nicht mehr so allein zu sein. 
Im Januar bekam sie eine Erkältung von der sie sich nicht wieder erholte. Bald hatte sie keinen Appetit mehr, aß und trank kaum noch, haderte mit der Dialyse. Jedes Zureden half nicht viel. Sie wurde immer schwächer und kraftloser. Man konnte von Woche zu Woche beobachten, wie es bergab ging. Schließlich funktionierte der Shunt nicht mehr und sie musste ins Krankenhaus. Aus dem haben wir sie nicht mehr heraus bekommen. Sie ist dort verstorben. Das war für mich ganz schlimm. Hatte ich sie doch nur ein bisschen mehr als ein halbes Jahr gekannt. Dabei war aber eine so tiefe Bindung entstanden, wie man es nur einmal im Leben erlebt,  
Ein großer Trost war mir, dass ich sie auf dem letzten Weg begleiten, ihre Hand halten durfte und an den Geräten der ITS sehen konnte, dass sie ganz sanft eingeschlafen ist. 
Erst im Krankenhaus hatten wir auch ihren Sohn kennengelernt. Mir hatte Jutta eine Betreuungsvollmacht gegeben, denn sie wollte in ein Pflegeheim gehen und das musste organisiert werden. Dafür waren Absprachen mit ihrem Sohn nötig. Und ob ihr es glaubt oder nicht: auch mit ihm hatten wir sofort ein gutes Verhältnis. Er ist eben ihr Sohn. Da war es für uns selbstverständlich, ihm bei den ganzen Formalitäten auch zur Seite zu stehen und ihm Tipps für die Ämter hier vor Ort zu geben. 
Vorigen Dienstag war dann die Beerdigung. Eine kleine, schlichte Trauerfeier, ganz so wie sie es sich gewünscht hätte. Ich werde sie nie vergessen!

Und so will ich sie in Erinnerung behalten:

Sie ist 87 Jahre alt geworden und war bis zuletzt eine lebenslustige, vielseitig interessierte herzensgute Frau.

Ich habe es ganz gut verkraftet, brauchte aber eine Zeit für mich. Vielleicht könnt ihr das verstehen und seid nicht allzu böse. Ich werde mich sehr bemühen, jetzt wieder öfter zu posten.

Ganz liebe Grüße 
von eurer arniker

Kommentare:

  1. Liebe arniker,
    es tut mir total leid und ich umarme dich ganz fest aus der Ferne. Es ist immer sehr schwer, einen lieben Menschen zu verlieren...
    Sei ganz lieb gegrüßt
    Sylvia

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    1. Liebe Sylvia,
      vielen Dank für deine lieben Worte.

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